Donnerstag, 04 Februar 2021 21:01

Teamarbeit: GOTTesdienst anders

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Es war einmal...

Vor langer, langer Zeit...

...als Corona und Lockdown noch zu Fremdwörtern im allgemeinem Sprachgebrauch gehörten,

... da gab es im Breisiger Ländchen eine Gruppe von ehrenamtlichen Mitarbeitern der Gemeinden, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, religiöse Fragen und Projekte in den Alltag der Menschen zu rücken. Die Gottesdienste irgendwie anders gestalten wollten, nicht als Pflichttermin am Sonntagmorgen, nicht als Kosum oder Berieselung... eher ein thematisches Mitmachangebot. Über diesen Balanceakt berichtete auch J. Fröder aus der Redaktion des Bistum Trier:

Kein Gegeneinander von Altem und Neuem (bistum-trier.de)

Ja, und wenn sie nicht gestorben sind...

...nein, gestorben sind sie nicht! Aber Corona zog natürlich auch an dieser Gruppe nicht spurlos vorüber. Plötzlich waren wir quasi in eine kleine Identitätskrise gerutscht. Was vor einem Jahr noch irgendwie "besonders", "anders" oder "neu" war, stand mit Einbruch der Online-Pandemie im Bereich religiöser Streaming-Angebote etc. auf dem Prüfstand.

Wer sind wir? Was wollen wir?

Was ist bei GOTTesdienst anders anders?

Stand März 2020:

Zunächst: Mittlerweile trägt sich das Format rein aus ehrenamtlicher Kraft und Kreativität der Gemeindemitglieder. Hauptamtliche Vertreter der Kirche stehen zur Unterstützung bereit, tauchen hin und wieder auch bei den Gottesdiensten und Aktionen auf, aber es geht auch bewusst mal ohne sie. Dann: Jeder der möchte, kann mitwirken... es gibt keine starre Teilnehmerstruktur, mal sind es drei, mal acht oder mehr Aktive, die ihre Begeisterung oder auch ihren Zweifel an Gott anregend mit anderen teilen möchten...(Fast) immer:  Es besteht die Freiheit, sich thematisch nicht am Kirchenjahr orientieren zu müssen...(es sei denn, es ist uns selbst ein persönliches Anliegen es doch zu tun). Zumeist: Es findet keine Eucharistiefeier statt.

Wir empfinden unsere Pfarrkirche als Treffpunkt, als unser gemeinsames Haus... aber sind gerne auch woanders zu finden...im Hof, im Garten, im Park...Schwerpunkte liegen auf der Kommunikation mit den Besuchern, der Impulsgebung und Raum geben für die Anliegen Einzelner. Unser roter Faden: Wir wollen bewusst nicht auf einen Bibeltext verzichten, wir beschließen jeden Gottesdienst mit einem gemeinsamen Vater unser, sei es gebetet, gesungen, getanzt. Der Titel unseres Formates ist schon ein paar Jahre alt, aus der Zeit der Synodenanfänge. da war ich noch nicht dabei. Vielleicht war es ein Zeichen a la " wir wollen aufbrechen mit veralteten, starren Formen ..."? Möglichkeiten einer neuen oder anderen Spiritualität aufweisen...ich weiß es nicht. Mittlerweile gibt es viele solcher Gruppierungen und Veranstaltungen: MesseAnders, Spirit of... u.a. ich habe einige besucht und festgestellt, „neues geistliches Liedgut“ und Firmlinge Fürbitten lesen lassen ergeben bei mir persönlich noch kein Gefühl von Zukunft. Hier bei GOTTesdienst anders finde ich eine Plattform, wo ich gehört werde, wo meine ganz persönlichen Fragen zum Glauben vom Team angenommen und diskutiert werden. Keine Gottesdienstinhalte sind vorgegeben, wir schreiben und lesen genau das, was wir uns überlegt haben, was aus unseren Herzen kommt...so wird der Gottesdienst ein Dienst an der Gruppe und an mir selber...bisher ist kein einziger Gottesdienst wirkungslos an mir vorbeigezogen, alle haben mich später, auch noch viel später beschäftigt oder auch im Vorfeld zum regen Austausch animiert...Dafür, dass wir innerhalb der Gemeinde diese Möglichkeit bekommen und für das Vertrauen, welches in unsere Arbeit gesetzt wird, bin ich sehr dankbar.

Stand Mai 2020:

Es braucht nur einen Menschen, einen Augenblick, eine Überzeugung, um eine Welle der Veränderung zu starten...

Ja, oder nur eine Corona -Jahrelang feilschen wir an verschiedenen Konzepten, probieren aus, verwerfen, realisieren...mit dem steten Bestreben Kirche und Gottesdienst „anders“ zu erleben...und dann?!So schnell konnte ich ja gar nicht mitdenken, sind im ganzen Land Ideen entstanden und gestreamt worden, Gottesdienste in Whatsapp-Gruppen, Heimandachten, Videobotschaften...Unglaublich, welche Vielfalt sich da plötzlich verwirklichen lässt. Unglaublich ist auch die Anzahl derer, die solche Angebote für sich nutzen...Obwohl ich immer noch von unserem kleinem Gemeindeprojekt GOTTesdienst anders überzeugt bin, komme ich mir zunächst doch etwas engstirnig, unpopulär und klein vor, angesichts der Leichtigkeit, der Spontanität und Freude, die ich in vielen der derzeitigen Angeboten zum „Glauben erleben" kennenlernen darf...Dennoch, was den großen Unterschied für mich ausmacht: Ein echtes Gefühl von Gemeinschaft will sich bei mir mit allen virtuellen Möglichkeiten nicht so richtig einstellen!!So stelle ich fest, der Augenblick und der Start einer möglichen Veränderung wurde uns nun bereits geschenkt...Ich hoffe wir lassen uns tragen von dieser Welle der Begeisterung und Ideenvielfalt?!Besinnen uns aber auch nochmal, auf welche guten Erfahrungen wir von vor dieser Zeit zurückgreifen können. Zeiten ändern sich, und wir verändern uns mit ihnen.

Ich wünsche mir, dass Kirche die Veränderungen der Menschen und ihrer Bedürfnisse wahrnimmt und entsprechend reagiert.

Ich wünsche mir, dass die Menschheit die Veränderungen der Kirche und ihrer Bedürfnisse wahrnimmt und entsprechend reagiert.

Stand Dezember 2020:

Strenge Gottesdienstordnung, aktuelle Corona-Schutz-Hygiene-Maßnahmen und einfach das Fernbleiben der aktiven Gemeindemitglieder drüben die Aussicht auf das bevorstehende Weihnachtsfest. Das Team von GOTTesdienst anders hat sich seit Monaten nicht in Gänze treffen dürfen. Ökumenisches Friedensgebet, Taizeandacht in der Vorweihnachtszeit, Gottesdienst anders zum Thema HIOB...alles im Coronaschweigen verschwunden. Das soll uns aber mit Weihnachten nicht passieren! Doch bevor man sich heuer überhaupt mal austauschen kann und gemeinsam neue Ideen entwickelt: Was ist derzeit noch möglich? Was ist derzeit nötig, um den Menschen eine Möglichkeit zu geben, einen Hauch von Weihnachten zu spüren?

Rückblickend war es ein ganz besonderer Heiliger Abend. Der Gedanke daran wärmt mich heute noch ein wenig von innen.  Eine offene Kirche, mit Textimpulsen, Kerzenschein, Musik, Segen-to-go ( siehe: Erinnerung: Heile, heile Segen... (seelengrund-musik.de)), entsprechenden Corona-Maßnahmen und jede Menge Besucher ließen uns eindeutig spüren:

Wir sind auf einem gutem, neuen Weg.

Wir sind wichtig für diese Gemeinden.

Wir machen weiter!

Stand März 2021:

Ja, wir machen weiter. Aber auch uns bröckeln durch Krankheit und persönliche Gründe die Teammitglieder weg. Neue Begeisterte zu finden ist derzeit wirklich nicht leicht. Die Gemeinde an unserem Standort veraltet langsam und bringt ihre eigene Erwartungshaltung an Kirche mit. So entsteht mit dem Projekt "Glaube- Licht und Schatten" eine Idee,  durch verschiedene Ansätze sich einem gemeinsamen Thema zu widmen. Es scheint ein Trend zu sein, sicherlich auch durch CORONA begünstigt, dass man sich weniger einer großen gemeinschaftlichen Sache zuwendet, als dass man sich Stück für Stück genau das heraussucht, was einem persönlich liegt bzw. wichtig ist. So macht dieses Verhalten auch nicht vor Gemeinde und Kirche halt. Ob meine Skepsis darüber berechtigt ist, wird sich erst in der Zukunft zeigen. Vorerst sind wir sehr überrascht über die Erfahrungen, die wir mit diesem neuen Projekt machen durften: 

Impuls: Glauben - Licht und Schatten (seelengrund-musik.de)

Vernissage in der offenen Kirche: Glaube - Licht und Schatten (seelengrund-musik.de)

Resümee: Glaube - Licht und Schatten (seelengrund-musik.de)

Gelesen 893 mal Letzte Änderung am Samstag, 13 März 2021 08:18
Alexandra Heer

Alexandra Heer hat sich mit SeelenGrund eine Heimat geschaffen, die es ihr erlaubt, neben Pädagogin und Mutter, viele verschiedene Rollen ausleben und füllen zu dürfen. Dem Texten und Komponieren ihrer Lieder geht stets eine eigene, persönliche thematische Auseinandersetzung voraus, welche sich in der musikalischen Darbietung erspüren lässt. Basierend auf einem christlichen Gottesbild setzt sie ihre irdischen Erfahrungswerte über Beziehung, Gemeinschaft, Werteverständnis in eine mögliche Kommunikationsebene zu Gott. In ihrem Blog berichtet die Sängerin über Erlebnisse, Begegnungen und Erfahrungen rund um ihre Wahlheimat "SeelenGrund".

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