Sonntag, 20 November 2022 17:08

Herz und Verstand

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Frauentag Frauentag privat

Herz und Verstand – das waren die beiden Pole, zwischen denen in den vergangenen Tagen meine Seele hin und hergerissen erschien...

Ein interessantes und für uns bedeutsames Engagement stand vor der Haustür und dann...dann passieren manchmal Dinge im Leben, die lassen dich zumindest in diesem Fall sehr kurzfristig als Sängerin ohne irgendeine Begleitung dastehen. Mist! Der Verstand sagt ziemlich eindeutig: Engagement absagen. Macht keinen Sinn. Kannst du dich nur blamieren. Diesem, meinem Verstand, haben sich in der Vergangenheit bereits viele Menschen mit hohem Engagement gewidmet.

Seien es Kindergärtnerinnen, die sich an mir schier die Zähne auszubeißen drohten, seien es Lehrer, die nur mit dem Augenbrauen zuckten, ob meines gehörigen Mutes zur Lücke, Eltern, Familie, Freunde...alle sind steter Zeuge dessen, dass ich mich stets in teils abstrakten Denkprozessen befinde. Dank der hiesigen Gesellschaft, die eben auch einen kultivierten Verstand zu forcieren scheint, werde ich stets immer wieder bestätigt, wie wichtig es ist, einen wachen Verstand zuhaben und einzusetzen. Also, da ich zumindest geringfügig multiplizieren, addieren oder auch abstrahieren kann, löse ich die Gleichung nach x einfach auf. X = Engagement absagen! Doch irgendwie macht mich das gar nicht zufrieden, gar nicht glücklich. Es scheint, der Verstand gelangt hier an Grenzen.

Da weht eben diesem Verstand etwas entgegen, das sogar ihm selbst entsprungen zu sein scheint und sich möglicherweise als eine Art emotionale Intelligenz beschreiben lässt. Mein Herz pocht dem Verstand laut entgegen. Es will nicht absagen. Die OrganisatorInnen des Events waren so herzlich, freundlich, haben so viel Vertrauen vorab schon in uns geschenkt. Was tun? Suchen. Wanken. Hoffen. Ich hatte mir eine Deadline gesetzt. 48 h vorher muss klar sein: Ab- oder Zusage!? Und dann kann ich irgendwie gar nicht anders, die pure Aussicht auf ein Quäntchen Glück, auf die Freude lassen den Verstand verstummen, das Bauchgefühl sagt zu. In Aussicht stehen zwei Gitarristen, die meine Musik nicht kennen, aber bereit sind, sich auf das Wagnis einzulassen. Ganz schön mutig :) In Aussicht stehen viele Fragezeichen, viel Mut zur Lücke, zur Spontanität und Kompromissverhalten. Letztendlich hilft mir meine Fähigkeit, loszulassen. Gott zu vertrauen. Gottvertrauen. Er wird wissen, was er tut. Dies ist mein Weg. Ich lasse mich ein und bin gespannt, was ich daraus lernen werde...

Tatsächlich war es dann so so so Vieles, was ich an diesem Wochenende auf dem Frauentag am Campus Lachen lernen durfte, dass ich es gar nicht in einen Artikel fassen kann. Rein musikalisch war es interessant, die eigenen Songs in anderen Interpretationen kennenzulernen, dabei war es nicht immer einfach, die gewohnten, eigenen Pfade zu ver- und sich auf Neues einzulassen. Wichtig war auch die Erfahrung mit Musikern, die man gar nicht kennt und gerade das erste Mal überhaupt sieht auf der Bühne zu stehen. Ja, es war auch lehrsam einen Song komplett durchzusingen, obwohl schnell klar war, dass die Musiker im Backround irgendwie einen anderen Song spielen :) Aber das ließ sich alles mit einem Augenzwinkern wegschmunzeln... Spät in der Nacht sitze ich auf meinem Zimmer, bin sprachlos ob der vielen Ereignisse. Bin ein wenig wütend auf mich, nicht genug vertraut zu haben. Mich und seine Weg in Frage gestellt zu haben. Dem Verstand so eine große Gewichtung gegeben zu haben. Das nächste Mal will ich nur noch auf mein Herz hören!

Mehrfach haben sich die Texte der Referentin und meine eigenen an diesem Tag gedoppelt. Für mich ist ganz tief drin hängen geblieben: Lasst uns mit Herz und Verstand lobreisen! Das eine ist für mich Gott und sein Handeln zu verstehen, zu hinterfragen, zu bemerken, um seine Treue und Stärke zu wissen...das andere und für mich ebenso essentielle ist, auf mein Herz zu hören, ihn daraus wirken zu lassen, zu handeln.. zu singen...Da liegt die Erkenntnis nicht fern, das beide – Herz und Verstand– ihre Berechtigung haben, beide wichtig sind. Sicherlich gibt es manchmal Situationen in denen eines überwiegt, aber grundsätzlich versteh ich nun, das beide in einer gesunden Balance existieren müssen. Dann, und das spüre ich hier, alleine nachts im dunklem Zimmer, weisen sie beide dir einen Weg zu Glück. Und dieser Weg, der fordert eben: Mut und Vertrauen.

Als ich da im Dunkeln auf der Bettkante die ersten Videoaufnahmen von mir selbst sehe muss ich schmunzeln...Attraktivität glänzt mir da nicht unbedingt entgegen. Aber Authentizität. Und das durfte ich von der Bühne in den 250 Frauen vor mir auch erkennen: Ehrlichkeit, Fraulichkeit, Gefühl, Sehnsucht und sehr viel Liebe. Die Liebe der vielen Mütter, Ehefrauen, Partnerinnen, Freundinnen, Großmüttern, die mich anstrahlten. Die mich in diesem Moment gelehrt haben, real und echt zu sein, Gefühl zu haben und fließen zu lassen, frei zu sein. Das war so ein großes Geschenk, was mich sehr dankbar macht. Dankbar, zu verstehen und zu fühlen, das Herz und Verstand eine Einheit bilden und dankbar vor allem, einen Weg gefunden zu haben zu: Vertrauen.

Kennen – gelernt habe ich übrigens einige ganz tolle Frauen. Die mir erlaubt haben, von der Bühne herab eine Blick auf ihre Herzen und Seelen werfen zu dürfen, die mir ihre Tränen und Lächeln ohne Scheu entgegengebracht haben, die mir zugehört haben und gefragt haben: Wie geht es dir? Deren Herzlichkeit und Offenheit mich sehr tief berührt haben und wo sich mein Herz und Verstand diesmal stillschweigend einig sind: Die Damen musst du wieder sehen! Vielen Dank für Eure offenen Ohren und Arme und das Vertrauen, dass ihr mir so unverblümt entgegengebracht habt!

 Mehr Songtexte und Livemittschnitte vom Frauentag am Campus Lachen findest du hier:

Lyric: Wagnis (seelengrund-musik.de)

https://www.seelengrund-musik.de/blog/item/148-begleiter-durch-die-flut

https://www.seelengrund-musik.de/blog/item/105-lyric-geschenk

Gelesen 356 mal Letzte Änderung am Sonntag, 27 November 2022 09:57
Alexandra Heer

Alexandra Heer hat sich mit SeelenGrund eine Heimat geschaffen, die es ihr erlaubt, neben Pädagogin und Mutter, viele verschiedene Rollen ausleben und füllen zu dürfen. Dem Texten und Komponieren ihrer Lieder geht stets eine eigene, persönliche thematische Auseinandersetzung voraus, welche sich in der musikalischen Darbietung erspüren lässt. Basierend auf einem christlichen Gottesbild setzt sie ihre irdischen Erfahrungswerte über Beziehung, Gemeinschaft, Werteverständnis in eine mögliche Kommunikationsebene zu Gott. In ihrem Blog berichtet die Sängerin über Erlebnisse, Begegnungen und Erfahrungen rund um ihre Wahlheimat "SeelenGrund".

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