Samstag, 14 August 2021 12:01

Was hält mich noch in der Kirche?

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Kreuz im Wald Kreuz im Wald Seelengrund

Es ist nicht das erste Mal, das konkret diese Frage an mich gerichtet wird. Und tatsächlich stelle ich mir diese Frage auch selbst nicht das erste Mal und hoffentlich auch nicht das letzte Mal! Denn von Zeit zu Zeit tut es gut, sich genau nochmal mit diesem Thema zu beschäftigen. Zu gucken, ist das Thema Kirche für mich noch aktuell? Muss ich für mich etwas verändern?

Ich habe diese Frage schon von vielen verschiedenen Blickwinkeln beantwortet. Warum betrete ich ein Kirchengebäude? Was empfinde ich dort? Braucht es diese Gebäude, um zu glauben? Wohnt Gott in einer Kirche aus Stein? Oder auch aus dem Blickwinkel, ist Kirche = Gemeinde? Was agieren dort für Menschen? Ist Kirche ein Arbeitgeber? Ist Kirche eine Lebenseinstellung? Ist Kirche eine Machtstruktur?  und und und... wenn ich also diese Frage beantworten möchte, muss ich mich zuvor für einen Blickwinkel entscheiden. Also, heute erweitere ich die Frage etwas in diese Richtung:

Was hält mich noch in der Kirche?

Warum bin ich ein Mitglied der kath. Gemeinde hier vor Ort?

In den letzten 40 Jahren hat sich die Gemeinde hier vor Ort, wie wahrscheinlich auch vielerorts anders, drastisch verändert. Dabei fallen einem natürlich die Anzahl der Gemeindemitglieder und deren Altersdurchschnitt sofort ins Auge. Während ich als Kind und Jugendliche im großem Maße Gemeinschaft und Freundschaft als wichtigsten Bestandteil meines eigenen Gemeindelebens erfahren durfte, ziehe ich heute meine eigenen, persönlichen, eher mich-bezogenen Aspekte vor. Kirche und Gemeinde sind für mich tief verknüpft mit meinem persönlichen Lebenslauf, meinem Aufwachsen, meiner Persönlichkeitsentwicklung, summa summarum sie sind Teil meiner Heimat. In vielen meiner anderen Artikeln habe ich bereits davon geschwärmt, wie wichtig dieses Heimatgefühl zu meinem persönlichen Wohlbefinden beiträgt. Da wäre ich ja ganz schön blöd, wenn ich diesen Standpfeiler meines persönlichen Glücks nicht mehr festigen würde.

Manchmal erlebe ich genau dieses Heimatgefühl, wenn ich in der leeren Kirche alleine sitze, atme und warte. Die Stille des Kirchenraumes befriedigt meine Sehnsucht.

Manchmal erlebe ich es, wenn ich (eher selten) an einem Gottesdienst teilnehme und um mich herum altbekannte Gesichter wahrnehme. In einer über Jahre gewachsenen Gemeinschaft stehen zu dürfen, bestärkt mich durch wundervolle Weise. Ich empfinde es als sehr wohltuend.

Manchmal (an Weihnachten) erlebe ich Heimat, wenn plötzlich die Kirche voll ist und mir fast alle Besucher zu nicken, mich begrüßen, etc. Dann spüre ich jedes Jahr Hoffnung und Aufbruch.

Manchmal erlebe ich es, wenn ich meine Eltern in der Bank unten sitzen sehe. Da spüre ich einfach nur Liebe. 

Manchmal erlebe ich es, wenn wir Aktiven ohne Worte miteinander kommunizieren. Da merke ich, wir sind schon einen gemeinsamen Weg gegangen. Vertraut und verlässlich.

Immer :) erlebe ich es, wenn ich zu verschiedenen Anlässen musizieren darf. Nach wie vor ist die Musik die prägende Kraft meines Glaubens.

Und dann gibt es noch etwas, was mich an dieser Gemeinde, diesem Ort von Kirche festhalten lässt. Es ist eine kleine Gruppe von Menschen, die so nirgendwo notiert ist. Die aber immer wieder auf Grund ihres Engagements für und in der Gemeinde immer wieder aufeinandertreffen. Zwang- und formlos. Manchmal etwas förmlicher unter dem Deckmantel eines Vorbereitungstermins, manchmal als gemütlicher Ausklang im Biergarten, manchmal als kurzer Espresso im Büro... Es ist kein Freundeskreis, aber für mich dennoch mindestens genauso wertvoll. Gerade der persönliche Abstand, den wir im Alltag alle zueinander führen, lässt uns in der Gemeinschaft unverblümt und ehrlich von der Seele sprechen. Es ist wohltuend, hier keinerlei Wertung oder Beurteilung zu erfahren. Dennoch scheint mir die Ehrlichkeit untereinander ein unausgesprochenes Gesetz zu sein. Der christliche Glaube, das ureigene Ausleben dessen, Respekt für anders Denkende verbindet uns...Auf dieser Basis diskutieren wir die innerstädtische Hühnerhaltung genauso fröhlich, wie die Anbändelungsversuche mittels einer Onlinekontaktbörse. Ich selber habe schon manche Tränen hier vergossen, aus Trauer und aus Freude. Aber immer fühlte ich mich getragen von diesem Heimatgefühl. 

Meine Beziehung zu Gott lebe ich bestimmt zu 90 Prozent in der Natur, im alltäglichen Miteinander, in mir selbst. Aber für die restlichen 10 Prozent brauche ich auch Mitmenschen, die mir Impulse schenken, die mit mir gemeinsam reflektieren, die sich mit mir auf die Suche nach Antworten begeben... die treffe ich hier. In meiner Gemeinde, in meinem Dekanat, in meinen Onlinegemeinden...in meiner Kirche. Diese Menschen schenken mir etwas, was ich mir selber nicht geben kann. Sie schenken mir eine Wahrheit, Erfahrungen, Spiegelungen. Sie ermöglichen mir, dass ich ein verantwortungsbewusstes Leben leben darf.Deshalb bleib ich hier. Diese Menschen sind für mich meine Kirche.

Gelesen 303 mal Letzte Änderung am Samstag, 14 August 2021 13:16
Alexandra Heer

Alexandra Heer hat sich mit SeelenGrund eine Heimat geschaffen, die es ihr erlaubt, neben Pädagogin und Mutter, viele verschiedene Rollen ausleben und füllen zu dürfen. Dem Texten und Komponieren ihrer Lieder geht stets eine eigene, persönliche thematische Auseinandersetzung voraus, welche sich in der musikalischen Darbietung erspüren lässt. Basierend auf einem christlichen Gottesbild setzt sie ihre irdischen Erfahrungswerte über Beziehung, Gemeinschaft, Werteverständnis in eine mögliche Kommunikationsebene zu Gott. In ihrem Blog berichtet die Sängerin über Erlebnisse, Begegnungen und Erfahrungen rund um ihre Wahlheimat "SeelenGrund".

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